|
|
|
|
Die Entwicklung eines Dämmstoffs aus einem nachwachsenden Rohstoff am Beispiel Flachs
Eine Wettbewerbsarbeit von
Milan Gajewski |
|
|
Zur Wärmedämmung werden in unseren Häusern hauptsächlich Materialien wie Glaswolle und Styropor eingesetzt. Diese Materialien und ihre Herstellungsverfahren sind nicht besonders umweltverträglich. Gibt es Alternativen aus der Natur? Und sind diese konkurrenzfähig? Auf die Thematik aufmerksam geworden bin ich durch eine Radiosendung mit dem Thema ,, Einsatz von Baumaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen“. Daraufhin wollte ich die Entstehung eines natürlichen Dämmstoffs verfolgen und selber einen solchen entwickeln. Meine Wahl fiel dabei auf Flachs. Andere Materialien wie beispielsweise Hanf oder Schilf hätten aus verschiedenen Gründen mehr Umstände erfordert (im Falle von Hanf Genehmigungen für den Anbau). Im Prinzip kommen jedoch auch solche Stoffe als Alternativen zum Einsatz von Glaswolle oder Styropor im Häuserbau in Frage. |
|
|
Mit dem Anbau des Flachses habe ich am 24.03.2004 begonnen. Das Schul-Umwelt-Zentrum Mitte hatte mir dankenswerter Weise drei Beete von 0,8m x 10m Größe für die Aussaat zur Verfügung gestellt. In der Regel wird empfohlen, mit der Aussaat zwischen Mitte März und Mitte April zu beginnen. Von daher war der Zeitpunkt gut gewählt. Die Saattiefe beträgt im Optimalfall 2 cm und die Saatstärke sollte bis zu 2000 keimfähige Samen pro Quadratmeter betragen. Die Saattiefe habe ich gut eingehalten. Die Saatstärke dürfte geringer gewesen sein. Das wiederum kann sich negativ auf die Faserqualität auswirken, da Faserlein dazu neigt, sich stärker zu verzweigen, wenn der Platz dafür da ist. Dazu kommt, dass Unkräuter es leichter haben, sich auszubreiten, wenn die Dichte der Flachspflanzen es zulässt. |
|
|
|
Ende Juni bis Anfang Juli fing der Faserlein langsam an, sich gelb zu verfärben und Samenkapseln zu bilden, so dass nun der Zeitpunkt gekommen war, den Flachs zu raufen. Bei der Raufe werden die Pflanzen mit möglichst viel vom Wurzelwerk herausgerissen, damit so wenig Fasermaterial wie möglich verloren geht. Anschließend werden die herausgerissenen Pflanzen auf dem Feld (oder vielmehr Beet) ausgebreitet und für mehrere Wochen zur Tauröste liegengelassen. Bei der Tauröste werden die Pflanzen der Witterung und Mikroorganismen ausgesetzt. Die Röstbakterien spielen nun eine entscheidende Rolle. Sie lösen die Bastfasern des Flachses allmählich von der Rindenschicht ab. Das Wachstum der Bakterien ist vom Tauwasser abhängig, weshalb dieses Röstverfahren als Tauröste bezeichnet wird. Vom 30. 08. 2004 an begann ich die Fasern vom Holz zu lösen. Am schnellsten verfährt man, indem man die Pflanzen ,,zerbricht“. Beim Brechen werden die Stengel geknickt und die Holzschicht gebrochen. Dabei entstehen so genannte Schäben, kleine Holzsplitter, die anschließen größtenteils entfernt werden. Werden die Fasern später allerdings als Textilfasern verwendet, müssen natürlich alle Splitter entfernt sein. Zum Verfeinern der Fasern kann man sich einer Hechel bedienen, eine Art Metallkamm, durch die die Fasern gezogen werden. Insgesamt verfügte ich am Ende der Ernte über Fasermaterial von mehr als einem Kilogramm. |
|
Der nächste Schritt bestand in der Herstellung von Dämmplatten aus dem
Rohmaterial.
Da ich
ferner vorhatte, die einzelnen Platten später zu einem Modellhaus zur
Prüfung der Wärme dämmenden Eigenschaft zusammenzubauen, brauchte ich
außerdem verschieden große Einzeldämmplatten. * Die Beschichtung der Dämmplatten mit Aluminiumfolie hatte sich durch die Herstellungsweise der Platten ergeben. |
|
|
Auf dem Regionalwettbewerb bei BMW |
Insgesamt lässt sich sagen, dass Flachs tatsächlich eine interessante
Alternative zu herkömmlichen Dämmstoffen darstellt, da die
Herstellungsverfahren relativ unkompliziert sind und die Messergebnisse
zeigen, dass Flachs als Dämmstoff den Vergleich mit Styropor durchaus
nicht scheuen muss. Der Preisnachteil besteht zwar, doch wird die
Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen als Dämmmaterial staatlich
gefördert. Außerdem lässt eine vermehrte Nachfrage nach Alternativen aus
der Natur ein Sinken der Preise erhoffen. Hinzu kommt, dass sich der
Ertrag und die Produktivität durch die Verbesserung alter
Herstellungstechniken und durch die Entwicklung neuer sicherlich noch
steigern lassen, sodass Flachs und andere Dämmstoffe aus der Natur noch
konkurrenzfähiger werden. |
Anmerkung des SUZ: Die
Arbeit erhielt eine Prämierung und ging als Wettbewerbsbeitrag
im Bereich "Jugend forscht" zum Landeswettbewerb. Auch hier gehörte sie zu den
prämierten
Arbeiten.
|
|
|
|