Gärtnerischer Grundkurs

 

„Unkraut“ im Schulgarten

(Faltblatt H1)


„Unkraut“ ist überall und eines der Hauptprobleme des Pflanzenanbaus. Obwohl jedermann mit dem Wort „Unkraut“ eine bestimmte Vorstellung verbindet, ist der Begriff scheinbar schwer zu definieren.
Einerseits sind die allgegenwärtigen Kulturbegleiter unerwünscht und lästig und schmälern den Wert der Nutzpflanzen, andererseits gehören sie zum natürlichen Bestand unserer Umwelt und sind Glieder von vielfältig verzahnten Lebensgemeinschaften.
 

Die gleiche Pflanzenart kann nützlich oder schädlich sein:
Beispielsweise ist Löwenzahn als Grünfutterbestandteil einer Weide
erwünscht. Andererseits unterdrückt Löwenzahn in großer Menge mit seinen Rosetten den Graswuchs und wird somit zum lästigen und damit unerwünschten "Unkraut".

Auch die Brennnessel wird oft als Unkraut bezeichnet. Ihr massenhaftes Auftreten weist auf einen stickstoffhaltigen Boden hin. Im Gartenbau ist sie vor allem durch ihre Ausläuferbildung schwer einzugrenzen.
Andererseits ist die Brennnessel für viele Schmetterlinge eine wichtige Futterquelle. Hierzu gehören Tagpfauenauge, Distelfalter, Kaisermantel und Brauner Bär; Admiral und Kleiner Fuchs ernähren sich sogar ausschließlich von der Brennnessel. Im Gartenbau kann Brennnesselbrühe (1 kg Brennnesseln auf 10 l Wasser, 24 Stunden stehen lassen) wirksam gegen Blattlausbefall eingesetzt werden, wobei die Nützlinge geschont werden. Lässt man die Brühe länger stehen, sodass sie vergärt, entsteht ein hochwirksamer Dünger. Mit Steinmehl lässt sich der strenge Geruch etwas abmildern.
Frische Brennnesseln enthalten die Vitamine A und C, sind schmackhaft und finden daher in der Küche als Salat oder Gemüse Verwendung. Als Tee wird der Brennnessel eine blutreinigende und harntreibende Wirkung zugeschrieben.


„Unkräuter“ sind den Gemüsepflanzen an schneller Keimfähigkeit, Vitalität, Widerstands- und Reproduktionskraft und durch eine Vermehrungsfähigkeit in mehreren Generationen während einer Vegetationsperiode deutlich überlegen.
Das Wort „Unkraut“ beinhaltet den Begriff des Unerwünschten, das beseitigt werden sollte. Neuerdings wird diese übliche Bezeichnung durch andere ersetzt: Man spricht von „Ackerwildkräutern“ oder von „Kulturpflanzenbegleitern“. Darin kommt zum Ausdruck, dass Botaniker und Ökologen diese Pflanzen als natürliche Bestandteile des Ökosystems anerkennen und erhalten wollen. Wegen dieser unterschiedlichen Interessen ist eine klare Begriffsdefinition, was „Unkraut“ und was „Wildkraut“ ist, nicht möglich, Ihre Bedeutung kann je nach Betrachtungsweise wechseln.

Aus wirtschaftlicher Sicht werden unter „Unkräutern“ Pflanzen verstanden, die auf vom Menschen beeinflussten Standorten günstige Entwicklungsmöglichkeiten finden, ohne dass sie dort von Nutzen sind.

„Unkräuter“ können nach folgenden Merkmalen eingeteilt werden:

  • nach Standort kennzeichnenden Eigenschaften

  • nach ihrer Vergesellschaftung mit Kulturpflanzen

  • nach ihrer Keimzeit

  • nach der Art ihrer Ernährung

  • nach der Art ihrer Vermehrung und Verbreitung
    (Einteilung nach "Unkrautfibel" von SCHERING)

In der Arbeit mit Grundschülern sollte man sich auf das letzte der genannten Unterscheidungsmerkmale beschränken, um Verwirrungen zu vermeiden.
Nach der Art der Vermehrung und Verbreitung unterscheiden wir wiederum a) Samenunkräuter und b) Wurzelunkräuter.
 


Samenunkräuter

Die Fortpflanzung und Verbreitung erfolgt ausschließlich durch Samen. Die Samenunkräuter sind relativ harmlos und bei regelmäßigem Jäten gut in Grenzen zu halten.

Beispiele:

  • Echtes Springkraut

  • Vogelmiere

  • Kleines Knopfkraut


Wurzelunkräuter

Diese Bezeichnung ist zwar gebräuchlich, jedoch nicht ganz korrekt. Unter diesen Unkräutern versteht man Pflanzen, die sich außer durch Samen auch vegetativ vermehren, d.h. entweder durch unterirdische oder überirdische Ausläufer oder durch Brutzwiebeln bzw. Brutknollen. Auch die Unkräuter mit Wurzelstöcken gehören dazu.
Wurzelunkräuter sollten unverzüglich entfernt werden, möglichst bevor sie beginnen sich einzunisten. Später wird es aufwendiger diese zu roden. Bevor die Wurzelreste auf dem Kompostplatz landen, müssen sie (z.B. auf einem Plattenweg) austrocknen damit sie nicht neu austreiben.

Beispiele:

  • Quecke

  • Ackerwinde

  • Brennessel

  • Giersch

   

"Unkraut" im Schulgarten
Faltblatt H1 zum Download


  Tipps für den Besuch in der Gartenarbeitsschule:

Erfahrungsgemäß fällt es Schülern aber teilweise auch Lehrkräften schwer, Unkräuter im frühen Wachstumsstadium zu erkennen und von den Kulturpflanzen zu unterscheiden.
Werden beispielsweise im Klassenzimmer Keimversuche durchgeführt, können sich Schüler/innen wie Lehrer/innen einen Überblick über das Aussehen von Kulturpflanzen kurz nach der Keimung verschaffen.
In der Unkrautfibel der Schering AG sind relativ gute Fotos von Unkräutern jeweils kurz nach der Keimung und in vollem Wachstum abgebildet.
Die Erweiterung der Artenkenntnisse erleichtert die späteren Pflegearbeiten am Beet, denn oft stellt sich die Frage: "Welche Pflanze darf eigentlich weiter wachsen und welche muss entfernt werden?".

 

  Literatur und Links:

Hanf, Martin: Farbatlas der Wildkräuter und Unkräuter, Bechtermütz Verlag
Kühnemann, Helmut: Gemüse - 95 Gemüsearten und Kräuter aus naturgemäßem Anbau, Stuttgart,
                              Verlag Eugen Ulmer
Schering AG (Hrsg.): Unkrautfibel '78, Berlin/Bergkamen 1977