WACHOLDER(Juniperus communis)

 

Wissenswertes über den Wacholder

Das Kuratorium Baum des Jahres wählte den Wacholder zum Baum des Jahres 2002.
 

Allgemeines

Das lateinische Wort juniperus oder der keltische Name juneprus deuten auf den scharfen Geschmack hin, der auch den Namen Genever für den Wacholderschnaps gab. Der Artname communis bedeutet, dass diese Art sehr häufig vorkam.

Der Name Wacholder leitet sich vom althochdeutschen Wort wehhal für lebensfrisch, immergrün, kräftig ab, von dem sich wiederum das mittelhochdeutsche Wort wechalter stammt. Daraus entstand dann Wacholder. Weitere Namen waren Feuerbaum, Wachandel, Kranawitten, Weckhalter und Weihrauchbaum.
Verwandt ist der Wacholder mit dem giftigen Sadebaum (Juniperus sabina).

Botanische Stichpunkte

Der Gewöhnliche Wacholder hat normalerweise die Form eines Busches, der 12m erreichen kann.
Wacholderpflanzen sind Koniferen und gehören zur Familie der Zypressen. Ihre Samen entwickeln sie in roten oder violetten beerenähnlichen Früchten. Dabei handelt es sich eigentlich um Zapfen, die ähnlich aufgebaut sind wie Kiefernzapfen. Die Blätter sind in der Regel bei Jungpflanzen nadelförmig und bei älteren Pflanzen schuppenförmig. Der bei uns einheimische Gewöhnliche Wacholder ist die einzige Art, die sowohl in Eurasien als auch in Nordamerika vorkommt. Anders als die meisten Wacholderarten entwickelt er nur nadelförmige Blätter.

 
Systematische Einordnung: Wacholder bildet die Gattung Juniperus in der Familie Cupressaceae. Der Gewöhnliche Wacholder wird als Juniperus communis eingeordnet und der Virginische Wacholder als Juniperus virginiana.Der Wacholder ist eine Pflanzengattung mit rund 60 Arten immergrüner Sträucher und Bäume, die in der nördlichen Hemisphäre beheimatet sind. 

 

Merkmale:

 

  • säulenförmig/zylindrischer Wuchs, Höhe bis 12m
  • grau-braune, erst glatte Rinde, später schuppig, längsfaserig rissig,
  • Wacholderbeeren sind botanisch so genannte Zapfen. und haben eine blau/schwarze Farbe und eine typisch würzigen Geschmack.

 

  • Blätter nadelförmig stechend, dreieckig 6 -20mm lang
  • unscheinbare Blüten, die in den Blattachseln stehen.

 

Standort und Verbreitung:
Wacholder wächst auf trockenem Kalboden, er gedeiht aber auch auf kalkfreiem Grund
Er liebt Sonne und meidet schattige Stellen. Deshalb wächst er gerne auf den hochgelegenen Matten der Alpen. Allerdings ist er auch ein typisches Gewächs der norddeutschen Heidelandschaften. Wacholder findet man in den Heiden des Tieflandes (Lüneburger Heide), aber auch an Berghängen und im Unterholz der Mittelgebirge. Die in diesen Landschaften weidenden Schafe fressen zwar das Laub anderer Gebüsche, verschonen jedoch den Wacholder wegen seiner spitzen Nadeln, und erzeugen so die typische Wacholderheide. Da die Schafhaltung in Mitteleuropa immer mehr abnimmt, gehen auch die Wacholderbestände zurück.

Bestimmungsmerkmale des Wacholderbaums

Der Wacholder ist gerne was Besonderes. Und deswegen leicht zu erkennen. Das fängt beim Habitus, der Erscheinungsform, an.
Meist ist er vom Grunde an verzweigt. Strauchförmige Exemplare können eine Höhe von 3-5 m erreichen. Seltener gibt es baumförmige Wacholder, mit einer Höhe von 10 bis 15 m. Stammdurchmesser von bis zu 50 cm sind das Maximum. Der unterste astlose Stammabschnitt ist allerdings meist sehr kurz und erreicht höchstens 2 m Länge. Die Kronenform ist variabel, aber meist säulenförmig.

Außerdem solltest du beim Anschauen des Wacholders wissen, dass es nur männliche oder weibliche Exemplare gibt. Das wird botanisch als zweihäusig bezeichnet

 

Die Blätter

Juniperus communis besitzt im Gegensatz zu vielen anderen Wacholderarten keine schuppenförmigen, sondern ausschließlich
nadelförmige Blätter. Die Nadelstellung ist wie ein Stern. Die Nadeln stehen zu dritt im Quirl.

Schau sie dir einmal von ganz nah an!
Die bis 2 cm langen, steifen, stechenden, graugrünen Nadeln haben nämlich auf der oberen Seite einen weißen Streifen mit schmalen, grünen Rändern.
Dieser Streifen entsteht durch ein Band von winzigen Öffnungen zum Gasaustausch (sog. Spaltöffnungen), die von Wachs bedeckt sind.
Die Lebensdauer der Nadel beträgt 3 bis 4 Jahre.

 

Knospen entwickelt dieses Gehölz erst gar nicht: einige unterentwickelte Nadeln schützen die Triebspitze. Kein Wunder, dass der Wacholder sogar im Winter weiter wachsen kann, wenn die Witterung mal länger warm genug ist. Und die Seitenknospen machen was sie wollen, sie befinden sich alle in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Arbeitsaufträge:
Untersuche deinen Wacholderzweig genau nach den im Text genannten Merkmalen! Fertige eine eigene Zeichnung an, in der du diese Merkmale eintragen kannst!

 

Verwendung des Wacholders in der Medizin

Geschichtliches:

Bereits im Mittelalter wurde Wacholder häufig in der Heilkunde verwendet. Die Ernte der Beerenzapfen ist allerdings sehr mühsam und unangenehm wegen der stechenden Nadeln. Man nahm ihn bei Husten, dem Biss giftiger Tiere, Wassersucht, bei Ohnmacht, Zahnschmerzen, sogar gegen die Pest wurde er eingesetzt.

 

         

 

Ein Zitat aus dem Kräuterbuch des Apothekers Tabernaemontanus (1520-1590): “Die Wacholderbeeren in Wein gesotten / und darvon getruncken / ist gut den jungen Kindern / so einen starcken schwären athem haben / daß sie bisweilen auch Blut auswerffen / und soll eine gewisse Kunst seyn / dann es zertheilet den Schleim in der Brust / und machet denselbigen desto leichter auswerffen. Den Safft aus den Blättern mit Wein getruncken / ist gut wider die Schlangenbiß. ... Zur Zeit der Pestilenz soll man die Beere in dem Mund kauen / so widerstehen sie dem giftigen Luft. ... Wo man das Holz / die Blätter und die Beere räuchert / da verkreucht sich alles Ungeziefer / und vertreiben den bösen Luft / bewahren auch für allem Gifft.”

In der Volksheilkunde galt der Wacholder als sehr wertvoll. So nutzte man ihn bei Husten, Appetitlosigkeit, bei Durchfällen, Leber- und Galleleiden und natürlich zum Entwässern. . Pfarrer Kneipp empfahl dazu folgende Kur: Man nimmt 3x täglich 1 Wacholderbeere am ersten Tag, steigert dann am zweiten Tag auf 3x 2 Beeren, am dritten Tag auf 3x 3 usw., bis man 20 Tage voll hat (am 20. Tag sind es dann insgesamt 60 Beeren). Dann geht das Ganze rückwärts, 3x 20 Beeren, 3x 19 Beeren, bis man wieder bei 3x 1 Beere angelangt ist. Danach muss man unbedingt eine Pause von über einem Monat einlegen, ehe man eine neue Kur beginnt.
Auch heute wird er noch genutzt. Innerlich angewendet wirken sie Magen stärkend, blutreinigend und harntreibend, äußerlich bewirken sie eine verstärkte Durchblutung. Sie schmecken zunächst süßlich, hinterlassen aber einen bitterherben Nachgeschmack. In der Homöopathie finden sie als Ableitungsmittel für die Nieren, zur Behandlung von Hautkrankheiten, Gicht und Rheuma Verwendung.

Giftstoffe, Wirkung und Symptome:

Am bekanntesten ist wohl die Verwendung der Beerenzapfen. In den Beerenzapfen finden sich neben Ölen in den Zapfenschuppen bis zu 30% Zucker. Deshalb werden sie vergoren und destilliert, wobei das Öl in das Produkt mit eingeht. Wacholder ist keine Giftpflanze, dennoch dürfen Menschen mit Nierenschädigungen die Beeren nicht zu sich nehmen. Auch bei gesunden Personen ist Vorsicht geboten, vor allem dürfen die Beeren nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, dies könnte Nierenschädigungen zur Folge haben. Das Wacholderöl wirkt hautreizend und sollte nur äußerlich und verdünnt angewandt werden. Auch Schwangere dürfen die Beeren und das Öl nicht zu sich nehmen und sich auch nicht damit einreiben.

Weitere Verwendung:

Wacholderbeeren werden auch als Gewürz beim Kochen und zur Branntweinherstellung sowie zum Räuchern genutzt. Als Gewürz für Wildspeisen, Sauerkraut, Gurken und Rote Rüben sind sie ein Muss. Bekannt ist auch der Wacholderschnaps, der dann Gin, Genever, Borovicska oder Steinhäger genannt wird.

Forstwirtschaftlich ist der Wacholder nur von geringer Bedeutung, so dass bereits 1871 der Tharandter Forstbotaniker ROßMÄßLER sein Leben mit dem eines forstlichen Proletariers verglich, um den sich niemand kümmert.
Das Holz ist weich, aber zäh, elastisch, schwer spaltbar, dauerhaft und weitgehend resistent gegen Insektenbefall. Es hat einen typischen kampferartig-aromatischen Geruch und enthält kein Harz. Die Jahrringe sind eng und grobwellig. Der äußere Bereich, der Splint, ist schmal, hellgelb bis rötlichweiß, der Kern gelbbraun bis rot oder blauviolett, so dass sich das Splintholz in frischem Zustand gut absetzt.
Das Holz ist gut für Schnitz- und Drechslerarbeiten geeignet und wird in der Kunsttischlerei verwendet. Außerdem werden daraus Pfeifen, Spazierstöcke, Ess- und Trinkgeschirr, Holzschuhe und Bleistifte hergestellt. Ferner wird es zum Räuchern von Wurst- und Fleischwaren sowie von Fisch genutzt, da die Speisen dadurch ein einmaliges Aroma bekommen.

 

"vor dem Holunder zieh’ den Hut, vor dem Wacholder geh’ in die Knie".  

 

Sagenhaftes über den Wacholder

Als in der Dämmerung einzeln stehende Gestalt hat er vor allem in Heidegegenden die Phantasie der Menschen beflügelt. Er wird als Hüter an der Schwelle vom Leben zum Tod bis heute gerne an Grabstellen gepflanzt. Früher sollte ein Trank aus den "Beeren" die Gabe verleihen, in die Zukunft zu sehen. Brennenden Wacholderstämmen wurde Schutz vor Ansteckung in Zeiten der Pest zugeschrieben. In der Abenddämmerung der Walpurgisnacht wurden zu diesem Zweck die Stallungen mit Wacholder ausgeräuchert.

Der Wacholder, im Volksmund Machandel, wurde wie viele stark duftende Pflanzen zur Abwehr von bösen Geistern, Krankheit und allem Unguten eingesetzt. Die Zauberkräfte sollten nicht nur im Rauch, sondern auch im Holz sitzen. Dieses Holz, das zäh und dauerhaft ist, wurde mit Vorliebe von Rossknechten für Peitschenstiele verwendet, um eine Verhexung der Pferde zu verhindern. Zum Schutz der Nahrungsmittel wurden Rührstecken für Buttertröge, Fässer und Trinkgefäße aus oder mit Wacholderholz gefertigt; Wacholderöl und Harz halfen bei Magengrimmen und Blähungen, verbesserten den Harnfluss und schützten vor Pest und Schlangenbissen (Hieronymus Bock, 1551).

Wacholderzweige über der Tür oder im Stall hielten Teufel, Hexen, Zauberer, Geister, Diebe und Giftschlangen fern, mit ihnen konnte man verhexte Gegenstände unschädlich machen und vom Zauber befreien. Noch im späten Mittelalter wurden der Pflanze wahre Wunderleistungen zugesprochen. So konnte mit Hilfe des Wacholders ein Dieb gezwungen werden, die Beute zurückzubringen: Gehe vor Sonnenaufgang zu einem Wacholderbusch, beuge einen Zweig mit der Linken nach Osten bis auf die Erde hinunter und lege einen Stein darauf. Spreche: Wacholderstrauch ich tue dich bücken und drücken bis der Dieb sein gestohlenes Gut wiedergebracht hat. Sobald der Dieb das Gestohlene gebracht hatte, musste man den Zweig lösen und den Stein wieder an seine ursprüngliche Stelle legen.
Auf Rügen steckte man beim Hausbau einen Wacholderzweig mit ins Fundament, damit der Teufel fernbliebe. In alten norddeutschen Fachwerkhäusern findet man bisweilen heute noch Einstreu von Wacholdernadeln unter den Erdgeschossdielen - zum Schutz vor Mäusen, für die dies ein fast unüberwindliches Hindernis darstellt.

 

Faltblatt[08] Wacholder   zum Herunterladen

 

„Baum des Jahres“ 2002

Weitere Tipps für die Nutzung des Internets:
  • Aufgrund der Aktualität des Themas Wacholder als Baum des Jahres 2002 findet man viele Informationen im Internet. Die Materialbeschaffung ist also kaum noch ein Problem, dafür ist es sehr zeitaufwändig zu recherchieren und die Spreu vom Weizen zu trennen. Deshalb möchte ich einige nützliche Tipps weitergeben.
  • www.baum-des-jahres.de bietet eine sehr umfangreiche Dokumentation an, die sehr viele Informationen und schöne Bilder bietet.

  • www.google.de ist Ihnen sicher bekannt und stellt eine Suchmaschine zur Verfügung, die auf das eingegebene Suchwort „Wacholder“ innerhalb einer Sekunde 17.900 Einträge anbietet, die dann innerhalb vieler Stunden durchforstet werden können.
  •  www.wissen.de eignet sich, um schnell und übersichtlich eine Information zum Thema zu bekommen. Man kann dann aber auch noch weiter suchen und diversen links folgen.
  • www.umweltbildung.de ist das Umweltportal für Natur- und Umwelterziehung in Deutschland und bietet viele Informationen und Termine an.