Themen des Monats

Thema des Monats [14]:

Vegetative Vermehrung / Stecklinge


Verschiedene Sukkulenten in unserem Gewächshaus

Die vegetative Fortpflanzung beruht ebenso wie jeder Wachstums- oder Regenerationsprozess ausschließlich auf mitotischen Zellteilungen. Vegetativ vermehrte Pflanzen unterscheiden sich im Erbgut damit nicht von der Mutterpflanze. Sie sind also Klone.
Während einige Pflanzen in der Lage sind, spezielle Fortpflanzungseinheiten (Ausläufer, Kindl, Adventivpflänzchen (siehe Bilder unten) zu bilden, ist dies im genetischen „Programm“ anderer Arten nicht vorgesehen. Die weitaus meisten Arten besitzen aber die Fähigkeit, aus Bestandteilen ihres Pflanzenkörpers alle notwendigen Organe zu regenerieren. Erforderlich sind in beiden Fällen meristematische Gewebe (Bildungsgewebe) aus funktionell undifferenzierten und unbegrenzt teilungsfähigen Zellen.

Meristeme kommen z.B. an den Spitzen von Wurzel und Spross vor, wo sie als Apikalmeristeme oder Vegetationspunkt bezeichnet werden und dem Wachstum dienen. Laterale Meristeme, wie das Kambium, ermöglichen das sekundäre Dickenwachstum. Als Meristemoide bezeichnet man verstreut liegende, einzelne Parenchymzellen mit meristematischen Eigenschaften.
Die Teilungsfähigkeit kann vom Embryonalzustand an behalten werden (primäre Meristeme) oder, wie z.B. im Falle des Kambiums, durch Rückdifferenzierung von Dauerzellen wiedergewonnen werden (sekundäre Meristeme).
Ein Sonderfall vegetativer Vermehrung ist die Apomixis, bei der sich innerhalb der Samenanlage aus einer somatischen, diploiden Zelle ein Embryo entwickelt. Dieser Mechanismus tritt bei manchen Korbblütlern auf. Der entstandene „Samenklon“ kann durch den Wind weit verbreitet werden.

Formen vegetativer Vermehrung:

1. Zimmerpflanzen:

  • Abmoosen

  • Kindl (Ausläufer und Brutblätter)

  • Kopfstecklinge

  • Blattstecklinge (ganzes Blatt;  halbes Blatt, Blattteile ...)

  • Stammstecklinge

  • Wurzelschnittlinge

2. Freiland:

  • Absenker

  • Ableger

  • Ausläufer

  • Steckhölzer

  • Wurzelsprosse (Schösslinge)

  • Wurzelteilung

  • Rhizome / Erdstängel

  • Brutzwiebeln

  • Brutknollen


Brutblatt (Kalanchoe daigremontiana)



Erdbeere (Fragaria spec.)

Im Pflanzenbau macht man sich folgende Fähigkeiten zu vegetativer Vermehrung zunutze:

  • Abgelöste Pflanzenteile oder Fragmente einer in mehrere Portionen aufgeteilten Elternpflanze reichen oft für die Entwicklung einer neuen Pflanze.

  • Aus einem verletzten Baumstamm können Adventivwurzeln hervorgehen,die in der Lage sind, eine neue Pflanze hervorzubringen.

  • Es gibt Wälder, in denen aus dem Wurzelsystem einer ursprünglich einzelnen Elternpflanze durch die Bildung von Adventivsprossen Klone aus Tausenden von Bäumen nur über vegetative Vermehrung aus den Wurzeln ihrer jeweiligen Elternpflanze entwickelt haben.

  • Manche Blattsukkulenten, wie die Kalanchoe oder das Brutblatt (Bryophyllum), bringen an ihren Blatträndern Adventivpflänzchen hervor, die sich ablösen und zu selbständigen Individuen auswachsen.

Arbeitsanregungen zum Thema

1. Info: Stecklingsvermehrung:

Usambara-Veilchen (Saintpaulia ionantha und Saintpaulia kerensis - Hybriden) eignen sich gut für die Vermehrung aus Blattstecklingen; bei Sansevierien reichen selbst Blattabschnitte.
Am häufigsten werden allerdings Kopfstecklinge zur Vermehrung verwendet; bei Geranien und Pelargonien können diese durch den Rückschnitt der Pflanzen nach der Überwinterung gewonnen werden. Kopfstecklinge besitzen einen intakten Vegetationspunkt an der Triebspitze. Sie werden oberhalb eines Blattknotens der Mutterpflanze abgetrennt und sollten 3 – 4 entwickelte Blätter haben.
Aus Teilen der Sprossachse werden z.B. beim Drachenbaum (Dracaena draco) und bei der Engelstrompete (Datura spec.)  u.U. mehrere Stecklinge geschnitten. Beim Einsetzen der Abschnitte in Anzuchterde muss unbedingt die bisherige Richtung des Sprosses beibehalten werden.
Im Allgemeinen können aus kleineren Sprossteilen mit vegetativen Knospen neue Pflänzchen entstehen; daher reichen bei der Sprossknolle Kartoffel kleine Teile mit mindestens einem „Auge“.
An den Schnittstellen bildet sich ein sogenannter „Callus“, ein Gewebe aus meristematischen Zellen, aus dem Adventivwurzeln hervorgehen, die die Basis für eine vollständige Pflanze bilden.


Bild: Flora extra – Vermehren von Zimmerpflanzen, 3/93


Folgendes ist bei der Stecklingsvermehrung zu beachten:

  • Für eine erfolgreiche Stecklingsvermehrung sind nur gesunde Mutterpflanzen geeignet.

  • Beim Abschneiden der Stecklinge muss mit einem sauberen, scharfen Messer durch das  Gewebe gezogen werden, damit glatte, gerade Schnittflächen entstehen. Das Gewebe darf nicht gequetscht werden, da sich sonst eine Fäulniszone entwickeln würde.

  • Bei Pflanzen, die teilweise verholzen, wie z.B. Pelargonien, wird die richtige Schnittstelle erfühlt; sie liegt genau zwischen weichem und verholztem Anteil.

  • Die Stecklinge wurzeln am besten in „gespannter“ Luft, d.h. Luft mit hoher relativer  Feuchte. Übergespannte Plastiktüten, Glasabdeckungen oder spezielle Vermehrungskästen können für ein entsprechendes Mikroklima in lufttrockenen Räumen sorgen.

  • Ein Gemisch aus Torfmull und Sand im Verhältnis 1 : 1 ist ein geeignetes Anzuchtsubstrat; es muss vor dem Einsetzen des Stecklings etwas verdichtet und gut durchfeuchtet werden.

  • Das Substrat darf nicht austrocknen; allerdings entsteht bei zu starker Bewässerung und Staunässe leicht Fäulnis.

  • Wegen der günstigeren Lichtverhältnisse des Sommerhalbjahres, ist die Zeit von Frühjahr bis Frühsommer für die Stecklingsgewinnung besonders geeignet.


2. Arbeitsmaterial:

Gewinnung von Stecklingen:

 

Triebspitzen von Strauchbegonien bewurzeln schnell.
10 – 15 cm lange Triebe werden von einer Mutterpflanze geschnitten.



Bilder: Flora extra – Vermehren von
Zimmerpflanzen, 3/93

Aus dem Trieb von Abbildung 1 können ein Kopfsteckling und zwei Triebstecklinge gewonnen werden. Weitere Teile sind nicht geeignet bzw. müssen entfernt werden.

1. Begründe!
2. Finde die geeigneten Teile. Der Kopfsteckling erhält die Nummer 1, die Triebstecklinge die Nummern 2 und 3.

Voraussetzungen für eine kräftige Bewurzelung:

Gib stichwortartig an, wozu die folgenden Maßnahmen dienen:

Abdecken mit einer Plastikhaube:_________________________________

Abstand lassen zwischen Pflanze und Abdeckung:    ___________________________________________

Staunässe vermeiden: ___________________________

Steckling tief einsetzen:____________________________________

Pflanze nicht in die direkte Sonne stellen:  ____________________________________________

 

Natürlich geht's auch so 

Faltblatt [14]   Stecklinge  zum Herunterladen

Links und Literatur:

Flora extra – Vermehren von Zimmerpflanzen, 3/93
Zimmerpflanzen von A – Z, Meister-Verlag
Nultsch, W.: Allgemeine Botanik, Stuttgart, 1964, 2001
Campbell, Neil A.: Biologie, Heidelberg, Berlin, Oxford 1997
Winkel, G. (Hrsg.): Das Schulgarten Handbuch, Seelze 1985
Auernheimer, A. und A.: Der naturnahe Schulgarten, Donauwörth