GINKGO BILOBA

Johann Wolfgang von Goethe

aus Westöstlicher Diwan
Buch an Suleika

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt,
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt.

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Spürst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin.

Kulturhistorisches zum  Ginkgo biloba

Dieses Gedicht entstand im September 1815.  Johann Wolfgang von Goethe widmete das Gedicht als Ausdruck seiner Zuneigung der damals 31 jährige Marianne von Willemer. Er schickte die Reinschrift mit zwei gepressten Blättern an die Tochter des Bankiers Willemer - Rosette Städel. Das Original hängt heute in seinem Haus in Weimar. Damit wurde das Ginkgoblatt ein Symbol für innige Verbundenheit.
Der Baum auf dem Foto steht in Weimar südlich des Fürstenhauses und gegenüber dem der Frau von Stein. Er wurde bereits 1813 auch auf Veranlassung Goethes gepflanzt und ist der älteste seiner Art in Weimar.
Dazu muss man wissen, dass der deutsche Arzt Engelbert Kämpfer ihn 1690  Japan kennen lernte und 1712 die erste Beschreibung des Baumes verfasst hat. Das Interesse an exotischen Pflanzen war zu dieser Zeit groß und so wurden die  ersten Exemplare  nach Utrecht und London gebracht.
Park- und Gartenkultur waren auch ein gemeinsame Interessensgebiete von Goethe und Herzog Carl August.
So brachte ein  Weimarer Hofgärtner, der von Herzog Carl August zur Ausbildung nach England geschickt wurde, von dort den Ginkgo mit und  machte nach seiner Rückkehr nach Weimar in der Orangerie Belvedere die ersten Vermehrungsversuche für den Ginkgobaum.

Botanische Merkmale des Ginkgo

 

Heimat:
Wie schon im Gedicht richtig gesagt, stammt der Ginkgo aus dem fernen Osten und ist in wenigen Gebieten im Südosten Chinas beheimatet. Das ist das letzte natürliche Rückzugsgebiet

Wuchs:
Der Ginkgobaum hat einen schlanken Wuchs  mit einer schmalen Krone und wird bis zu 30m hoch. Unser Baum in der Gartenarbeitsschule ist noch recht jung. Deutlich sieht man die aufrecht abstehenden Äste, die kaum verzweigt sind.

Rinde:
Die Rinde ist graubraun, hat tiefe Risse und ist netzartig gefurcht.
 

 

Name:
Die Chinesen nennen den Baum „gin-kyo“, das bedeutet Silberaprikose.
Damit waren die eiweißhaltigen Samen gemeint.
In lateinischen Buchstaben wurde daraus „Ginkgo“.  Die Artbezeichnung „biloba“ heißt „zweilappig“, womit Form des Ginkgo-Blattes geschrieben wird.
Im Südosten Chinas wurde die "Silberaprikose" seit Jahrtausenden als Hoffnungsfunke, Heilkraft und Lebenselixier verehrt. Es ist die Form des geteilten Blattes und seine Zweihäusigkeit ,die der asiatischen Lebensphilosophie entspricht: Yin und Yang, ist ein Symbol für das männliche und weibliche, den Tag und die Nacht, Gut und Böse, Leben und Tod.

 

Blätter:
Die Blätter sind am auffälligsten. Sie haben die Form eines Fächers und sind zweilappig, zuweilen tief gespalten. Die Blattnerven sind gabelnervig.  Der Ginkgo gehört zu den Nacktsamern und ist der einzige Baum, dessen Nadelblätter flächig entwickelt sind.
Blatttriebe:
An den Langtrieben, dem Jahreszuwachs, stehen die Blätter in weiten Abständen.
An den Kurztrieben sind sie zu zu Büscheln gebündelt.

 

Strenge Geschlechtertrennung

Der Ginkgo ist eine zweihäusige Art. Es gibt also männliche Bäume mit walzenförmigen, gelben Kätzchen und weibliche Bäume mit kleinen, hellgrünen Blüten mit zwei frei liegender Samenanlagen und einer Pollenkammer.
Der Ginkgo ist also ein Nacktsamer.
Sie werden mit Hilfe des Windes im April/ Mai bestäubt. Die Pollen werden erst einmal eingelagert.
Bis Ende August wächst die Samenanlage zur Größe einer Kirsche heran. Dabei werden sie von einer weichen, fleischigen Schicht (Sarcotesta) und einer inneren, holzigen Schicht (Sclerotesta). Beide Schichten umgeben einen 2 cm langen, dreikantigen Steinkern.  Ähnliche Samenanlagen kennen wir heute von einem anderen Nacktsamer, der Eibe.
Erst nach 120-150  Tagen, wenn die Eizelle reif ist,  bildet der Pollen so genannte Tropfen und befruchtet die Eizelle.
Pro Pollenkorn entstehen zwei Spermatozoide mit mit spiraligem Geißelband. Die Entwicklung der Gametophyten ähnelt der der Cycadeen (Palmfarne) und ist ein altertümlicher Hinweis auf die Zeit aus der der Ginkgo stammt.

Nach dem Laubfall im November leuchten die Samenanlagen von Weitem schön gelb am Baum. Kommt man aber näher und tritt auf eine abgefallene Samenanlage, stellt man fest, dass sie unangenehm ranzig riecht, denn die äußere Hülle enthält viel Buttersäure..
Im Inneren liegt die Steinkern mit dem Samen, der im nächsten Frühjahr auskeimt.
 

Der Ginkgo - ein lebendes Fossil

 

Alle Photos:  Karin Selle

Dieser Ausdruck geht auf Charles Darwin zurück. Er bezeichnete den Ginkgo einst als "lebendes Fossil" und hatte damit Recht.
Der Ginkgo ist wahrscheinlich der älteste Baum der Erde. Er gehört zur Familie der Ginkgoaceae, deren Ursprünge sich über 250 Millionen Jahre zurückverfolgen lassen. Zur Zeit der Dinosaurier, also vor ca. 200 Millionen Jahren, war seine Verbreitung mit verschiedenen Arten, die man heute als Fossilien kennt, am größten. Er war damals überall auf der Nordhalbkugel heimisch.
Während die anderen Ginkgo-Arten alle ausgestorben sind, hat die Art Ginkgo biloba als einziger Vertreter sogar die Eiszeit überlebt.
Aus Fossilienfunden ist bekannt, dass sich der Baum in den letzten 150 Millionen Jahren nicht mehr verändert hat.
Mehr zum Pflanzenstammbaum.


 

Seine Samen enthalten Flavinoide. Ihm zu Ehren trägt eine im Ginkgo enthaltene Verbindung, ein Flavonol, den Namen Kaempferol.

Die Verwendung des Ginkgo in der Medizin gründet vor allem auf zwei Stoffgruppen in den Ginkgo-Blättern:
  • Flavonoide und
  • Terpenoide (Terpenlactone)

Flavonoide

Die Flavonoide umfassen eine ganze Familie sehr unterschiedliche Substanzen.  Die für die Therapie besonders wertvollen Flavonolglykoside machen den größten Anteil unter den Flavonoiden in den Ginkgo-Blättern aus.  Ginkgo enthält vor allem die Flavonolglykoside Kämpferol (benannt nach Engelbert Kaempfer, dem Entdecker des Ginkgo), Quercetin und Isorhamnetin. In geringen Mengen sind auch Biflavone  vertreten.

Terpenoide

An Terpenoiden enthalten die Ginkgo-Blätter fünf Ginkgolide sowie Bilobalid –  Substanzen, die bisher nur im Ginkgo  gefunden wurden. Bei den Ginkgoliden handelt es sich um recht kompliziert aufgebaute Moleküle, die aus sechs fünfgliedrigen Ringen zusammengesetzt sind. Die fünf Ginkgolide und das Bilobalid sind im Ginkgo-Blatt in einer sehr geringen Konzentration von nur 0,02 Prozent enthalten.

Quelle: http://www.tebonin.de/ginkgo/ginkgo

Ein Tipp für Goethe und Gingkoliebhaber

Die Stadt Wien hat im August 2003 einen Ginkgo-Goethe-Garten eingerichtet.  Ein Wegenetz mit einem zentral gelegenen Sitzplatz ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern, die 13 unterschiedlichen Ginkgo-Arten aber auch die Stauden und Sommerblumen, die Goethe entweder in seinem Garten verwendete oder in seinen Gedichten lyrisch erwähnte, zu bestaunen und auf sich einwirken zu lassen.
Informationen finden Sie unter :

http://www.wien.gv.at/ma42/parks/goethe.htm
Die unten stehenden Informationen können wir mit freundlicher Genehmigung des
Stadtgartenamt Wien (MA42)
Berufsschulgarten Kagran
A - 1220 Wien; Donizettiweg 29                                      zur Verfügung stellen.
Goethe und der Ginkgo Historisches zum Gingko Heilwirkungen Gingkosorten
Weitere Quellen und Links:
PdN Heft 7/34 Evolution der Pflanzen I
Dahlgren,Systematische Botanik, Springer-Verlag 1987
http://www.planet-weimar.de/
http://www.gartenlinksammlung.de/ginkgo.htm