Die Spanier
lernten die Kartoffel als Kulturpflanze bei
ihren Eroberungszügen (1525-1543 durch Peru
und Chile kennen.
Sie brachten um 1555 die ersten dieser
rotschaligen, violett-blühenden Pflanzen
nach Spanien. Etwa zehn Jahre später wurden
gelbschalige Kartoffeln mit weißen oder
violetten Blüten von Venezuela nach England
und Irland eingeführt. Bei der Ausbreitung
über Europa vermischten sich die Sorten.
Carolus Clusius pflanzte 1589 die ersten
Kartoffeln in Deutschland. Der Gelehrte,
Arzt und Botaniker war es auch, der dank
seiner Beziehungen zu anderen Botanikern und
reichen Bürgern für ihre Verbreitung sorgte.
Zuerst wurde die Kartoffel als Zierpflanze
in Gärten gehalten. Auch als Heilmittel war
sie bekannt, doch wurde sie als
Nahrungsmittel nicht verwendet. Man verwies
auf die Giftigkeit des
Nachtschattengewächses und glaubte, dass man
vom Verzehr der im Dunkeln unterirdisch
gewachsenen Frucht blind werden, sich
allerlei Krankheiten zuziehen, ja gar von
der Syphilis heimgesucht werden könne. Wegen
der angenommenen Schädlichkeit war der
Kartoffelanbau nicht gerade verboten, doch
fiel die giftige Knolle sozusagen unter ein
ungeschriebenes Drogengesetz. Möglich, dass
die Kartoffel zur Eigenversorgung während
des 30-jährigen Krieges in den Hausgärten
Süddeutschlands gepflanzt wurde, doch wissen
wir über ihren Verbleib bis zu Friedrich
II., der in Preußen den Kartoffelanbau
einführte, wenig. Der sandige Boden ("
Streusandbüchse Brandenburg") in
Mitteldeutschland schien dem preußischen
König zu Recht für den Kartoffelanbau
besonders geeignet, ergab er doch die
dreifachen Erträge gegenüber des Anbaus von
Getreide. Außerdem sind Kartoffeln zwar
unkrautanfällig und machen deshalb viel
Arbeit, können aber auf kleiner Fläche, in
einem Garten angebaut werden, weshalb sie
auch den armen Bauer ernähren konnten, und
nicht nur den Besitzer von Feld und Acker.
Bedingt durch die aus Krieg und Missernte
resultierende Not, erließ Friedrich II. 1756
den "Kartoffelbefehl“, der die Bauern zum
Anbau der Kartoffel zwang.
Außerdem förderte der König auch das
Kleingartenwesen, und schließlich wurden
sogar im Berliner königlichen Lustgarten
Kartoffeln angebaut. 1775 wird per Dekret
Friedrichs II. nach einer Hungersnot der
großflächige Kartoffelanbau in Preußen
eingeführt, damit einher geht eine
grundsätzliche Nahrungsumstellung in Preußen
von Brot auf Kartoffel.
|

Als sich der Kartoffelanbau
flächendeckend über Deutschland ausgebreitet
hatte, blieb Preußen der Hauptlieferant. Bei
so einer wichtigen nationalen Angelegenheit
wie die Kartoffel sie darstellt, konnte
natürlich ein preußisch-bayerischer
Gegensatz nicht ausbleiben. Nach einer
anderen Darstellung sollen die
freiheitsliebenden Bayern schon während des
ganzen 17. Jh. die Kartoffel gegen den
Willen der Obrigkeit angebaut und heimlich
auch gegessen haben. Nachgewiesen ist der
Anbau für einige bayerische Gegenden, etwa Pilgramsreuth, Landkreis Hof, auch für das
Markgrafentum Bayreuth. Dort, im tiefsten
Bayern, soll Friedrich II. 1743 bei seiner
Schwester Wilhelmine Kartoffeln vorgesetzt
bekommen und – ganz aufgeklärter Fürst – in
einem mutigen Selbstversuch mit der
Drogenknolle sofort deren
ernährungspolitischen Wert erkannt haben,
weshalb er – jetzt wiederum ganz der
absolutistische Herrscher - mit dem festen
Vorsatz zurückreiste, in Preußen den Anbau
der als ungefährlich erwiesenen Frucht und
die gesamtpreußische Nahrungsumstellung zu
befehlen. Wenn heute die Bundesrepublik der
größte Kartoffelproduzent innerhalb der EU
ist, so sollten wir uns daran erinnern, dass
dies nur möglich geworden ist durch einen
Tag vor über 250 Jahren, an dem Bayern und
Preußen sich am Mittagstisch über alle
Gegensätze hinweg die Hand, respektierlich
den Teller mit Kartoffel reichten - ein von
der Geschichtsschreibung bisher wenig
beachtetes Datum, dass vielleicht aber
lohnen würde, mit einer jährlichen kleinen
gesamtdeutschen Feier gewürdigt zu werden.
|